Die Frage: „Hast du eine Kutte?“

Oft habe ich diese Frage gehört und immer die Antwort: „Nee warum?“

Kutte_Motorrad_vornAber was bedeutet die Kutte eigentlich
Die Kutte bezeichnet in der Motorradfahrerszene eine ärmellose Jeans- oder Lederweste, zum Tragen der Abzeichen eines Rockerclubs oder einer Fahrgemeinschaft.

Die Funktion
Mit der Kutte drückt der Träger seine Zugehörigkeit zu seinem Motorradclub oder einer -fahrgemeinschaft aus. Des Weiteren tragen viele Motorradfahrer Kutten ohne Abzeichen eines eigenen Clubs, sei es dass ihr Club keine Abzeichen öffentlich führt oder dass der Träger keiner Gruppe angehört. Viele Kuttenträger tragen Abzeichen und Aufnäher ihrer befreundeten Clubs auf der Kutte, das kann von nur wenigen ausgewählten bis zu einer flächendeckenden Sammlung reichen, die mehrfach übereinander genäht werden. Zudem sind einige Kutten, aus den verschiedensten Beweggründen, mit angehängten Gegenständen wie Plaketten, Pins, Ansteckern und Nieten, dekoriert. Diese haben für den Träger zum Teil einen Amulettcharakter oder können auch nur schmückendes Beiwerk sein.

Mitglieder großer und internationaler Clubs tragen in der Regel nur die Abzeichen ihres eigenen Clubs oder ihrer Clubgemeinschaft. Insbesondere existieren hier bestimmte Vorschriften, die genau festlegen, wo welcher Aufnäher angebracht werden darf. Auf der Vorderseite der Kutte tragen sie oft in Brusthöhe Namens- und, je nach Funktion im Club, Amtsbezeichnungen wie Präsident, Vize oder auch Probe, beziehungsweise deren englische Bezeichnungen. Der Siderocker ist meistens eine genauere Chapter-Bezeichnung oder zeigt befreundete Chapter an.

Die Kutte ist in der Rocker-Subkultur das Statussymbol schlechthin. Größere Clubs betrachten die Kutte als Clubeigentum, das heißt im Falle der Entlassung eines Mitglieds kann der Club die Kutte zurückfordern. Das Mitglied selbst ist für die Sicherheit der Kutte verantwortlich. Verliert es sie, wird er bestraft. Dies kann von einfachen Strafen bis zum Ausschluss aus dem Club führen. Viele Kuttenträger dulden es nicht, dass ihre Kutte von Fremden berührt wird. Sie sehen dies als einen Angriff auf sich selbst und ihren Club an. Bis Mitte der 1990er war das „Trophäen-Sammeln“ unter verfeindeten Clubs üblich. Es galt für den Betroffenen als besondere Schmach, wenn ihm seine Kutte abgenommen wurde. Die Kutte wurde damals üblicherweise im Clubhaus aufgehängt und/oder gegen ein „Lösegeld“ dem Eigentümer übergeben. In besonderen Fällen wurde die Kutte auch zerstört. Auch wenn unter Rockern eine Anzeige als verpönt gilt, wurden Anfang der 2000er Jahre einige Verfahren angestrebt. Juristisch betrachtet kann es sich beim Kuttenklau um eine Straftat nach § 249 StGB (Raub) oder 250 StGB (Schwerer Raub) handeln.

Zu Beginn mussten die Lederkutten meist selbst geschneidert werden. Zwar gab es keine genauen Vorschriften, doch waren Dreiteiler, die mit Lochnieten und Lederschnüren verbunden waren, üblich. Im Laufe der Zeit übernahmen Hersteller den Rocker-Stil, so dass es heute auch möglich ist, die Kuttenmodelle von der Stange zu kaufen.

Entstehung
Anfänglich, in den 1970er und den folgenden Jahren trugen Motorradrocker überwiegend Jeanskutten. Seit den 1990er Jahren ging die Mode bei Kuttenträgern aus verschiedenen Gründen zur Lederkutte über. Das kann zum einen praktische Gründe haben. Lederkutten sind gegenüber Jeanskutten strapazierfähiger und nicht so schmutzanfällig. Jeanskutten stinken oft nach langem Tragen und Regenfahrten und sie verschleißen mit der Zeit schneller als Kutten aus Leder. Lederkutten erscheinen in den Augen vieler Träger einfach „cooler“.
13549_2originalEine Kutte der ersten deutschen Generation. Noch war sie aus Jeans und mit unzähligen Nieten und Patches zugetackert.

Wie bei den Metall-Kutten ist das Waschen oder Reinigen der Kutte ein absolutes Tabu.

Ob der Name Kutte aus der phonetischen Ähnlichkeit des amerikanischen cut-off (d.h. abgeschnittene Ärmel) resultiert, wird in der Szene bezweifelt. Auch andere Subkulturen und Männerbünde bezeichnen ihr Outfit als Kutte. Viel mehr scheint naheliegend, dass die Kutte von den Hells Angels eingeführt wurde, die aus Kalifornien stammen. Da es dort meist heiß und trocken ist, war die normale Funktionskleidung beim Motorradfahren, die Motorradjacke, schlicht unpraktisch.