Was bedeutet eigentlich Hollister (1%)

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Hallo,

viele Biker tragen ihn als Pin oder als Patch, nur weiß auch wirklich jeder was Hollister eigentlich ist bzw. bedeutet, daher hier ein kleine Abhandlung darüber.

 

 

Hollister und 1% ????

Die meisten wissen, dass es das Bikertum betrifft. Die Idee, es habe mit Hollister, jenem kleinen Städtchen in Kaliforniern, zu tun, kommt der Wahrheit schon näher, aber mit der „A.M.A.“ trifft man schließlich ins Schwarze.

Gehen wir zurück ins Jahr 1947 und besuchen wir am 4. Juli, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, ein kleines Nest names Hollister im amerikanischen Bundesstaat Kaliforniern. Dieser Tag bedeutete den Leutchen jenseits des großen Teiches schon immer eine ganze Menge und wurde dementsprechend gefeiert. Manche von ihnen fuhren auch schon (oder gerade) 1947 Motorrad und unter diesen Motorradlern in Kniehosen und Sportsakko gab es auch schon ein paar (damals in den Augen der Bürger) schwarze Schafe, die aber laut eigenen Aussagen nur eines wollten: „Havin‘ a good time, blowin‘ off steam after a hard day at work!“.

Der BoozeFighters MC

Die Geschichte beginnt eigentlich schon ein Jahr früher, ebenso in Kaliforniern, als ein Club namens „The 13 Rebels“, der schon 1937 gegründet wurde und heute noch existiert, nach El Cajon fuhr, um ein Motorradrennen zu sehen. Unter ihnen war Willy „Wino“ Forkner, dem das Zusehen zu fad wurde. So durchbrach er mit seiner Indian den Begrenzungszaun und nahm ungefragt am Rennen teil, das er bis zu einem Ausrutscher auch anführte. Er hätte es wahrscheinlich gewonnen, aber einer der Streckenposten zog während der Startversuche das Zündkabel ab, um zu verhindern, daß der „Rebel“ weiter störte.

Die Zuseher hatten jedenfalls ihren Spass dran, nur die Vertreter des Veranstalters, der „American Motorcycle Association“ (A.M.A.) fanden es nicht so komisch und Willy kam hinter Gitter. Da sein Club auf Distanz gegangen war, gründete er daraufhin mit ein paar Bros in L.A. einen neuen Club, den „BoozeFighters MC“.

Hollister – Licht in einem Mythos

Die BoozeFighters hatten Spaß im Sinn. Es war (und ist!) ein Club, für den „having fun“ das Wichtigste ist. So fuhren die Chapter aus L.A. und San Francisco – zu diesem Zeitpunkt gab es ein weiteres Chapter in San Pedro – am 4. Juli nach Hollister zur drei Tage dauernden „Gypsy Tour“, einer großen A.M.A.-Biker-Rallye, zusammen mit etwa 4.000 weiteren Bikern.

Der Beginn der Story könne sich so darstellen:

Ein BoozeFighter stand in „Johnny’s“ Bar, sah einen Bro vorbeiprötteln und winkte ihn her. Der dachte, er solle in das Lokal fahren und schon stand sein Bike vor der Theke. Er bekam sogar sein Bier von „Johnny“ serviert. Die Menge reagierte jedoch mit Empörung und er wanderte hinter Gitter. Ebenso ein Bro, der seine Triumph durch die Menge zirkelte, um zu sehen, was passiert war.

Was dann folgte – es ist bei weitem nicht nur dem BoozieFighters MC zuzuschreiben – ging als „Hollister Bash“ in die Geschichte ein (und wurde mit Marlon Brando und Lee Marvin in „The Wild One“ – wenn auch wenig authentisch verfilmt).

Wahr davon ist nur ein Bruchteil. Nach dem 2. Weltkrieg begannen die Medien Nachrichten zu kreieren, denn die Zeit war ruhig, es regte sich zu wenig. Also wurden die Tatsachen etwas „ausgeschmückt“.

Das „Life“-Magazin berichtete zB. von „[…] 4,000 members of a motocycle club … racing their vehicles down the main streets and through traffic lights, they rammed into restaurants and bars, breaking furniture and mirrors […] police arrested many […]“. Dazu kam das Bild eines Bikers auf einer Harley, der aus einer Bierflasche trank, eine zweite in der Hand hatte und das inmitten zahlreicher weiterer leerer Dosen und Flaschen. Insgesamt 115 Worte, die jedoch zehntausende Biker zu gewalttätigen Säufern stempelten.

Wahr ist, dass der Schaden minimal war und bezahlt wurde, niemand aus der Bevölkerung zu Schaden kam und zB. die Ampeln, die überfahren wurden, sich auf Straßen befanden, die eigens gesperrt worden waren!

Das Foto des Besoffenen auf dem Motorrad war gestellt und zeigte ein bezahltes „Model“. Die 38 Verhaftungen wurden größtenteils wegen „drinking alcohol in public“ und „indecent exposure“ – also unsittliche Entblößung (Pinkeln in der Öffentlichkeit) – durchgeführt.

30 Polizisten (!), die zu den sieben (!) örtlichen Beamten angefordert wurden, beendeten übrigens diesen „Aufruhr von Tausenden Bikern“.

Die A.M.A, eine Art Motorrad-Verband mit einem Touch Interessensvertretung, nahm sich der Sache an und war um die Wiederherstellung des guten Rufes der Biker bemüht. Um sich – und damit die Masse der Biker – von den „Ausschreitungen“ in Hollister zu diestanzieren, bezeichnete die A.M.A. die „Troublemaker“ unter den Biker als „[…] the 1 per cent deviant fringe that […] tarnish[es] the public image of both motorcycles and motorcyclists“, also etwa als „das eine Prozent einer von der Norm abweichenden Randgruppe, die das öffentliche Ansehen der Motorräder und Motorradfahrer beflecken“.

Viele Quellen sprechen nun davon, dass sich einige US-Clubs gerade zu diesem einen Prozent zählten und das Symbol in einer Raute als Patch führten. Sie bezeichneten sich selbst als „One Percenters“ oder „Outlaw Bikers“, was aber nichts mit Kriminalität zu tun hatte. Ursprünglich bezeichnete man als „Outlaws“ jene Clubs, die nicht zB. über die A.M.A. Mitglied in der „Federation Internationale Motorcycliste“ (FIM) waren und sogenannte „Outlaw-Races“ veranstalteten, die nicht dem Regelwerk (und den Abgaben) der A.M.A. unterworfen waren.

Eine andere Quelle beschreibt den Weg zum „One-Percenter“ etwas anders.

Nach dem Film „The Wild One“ von Stanley Kramer (1954) fanden sich derart viele von Marlon Brando und Lee Marvin angesprochen, dass es zu einer wahren „Outlaw-Mania“ kam. Sogar das Logo des Colours, das Brando im Film trug, wurde von einer „Gang“ in Chicago kopiert, die Handlung des Films wurde oftmals Realität. Bald war es nicht mehr möglich, die „bad bad Bikers“ von den „good bad Bikers“ zu unterscheiden und die A.M.A. schob in den Sechzigern alles Negative auf das eine Prozent. Die „bad bad Bikers“ wählten nun „1 %“ in einer Raute, um sich zu differenzieren. Ein wahrer Krieg entbrannte, wer den 1-%-Patch tragen durfte.

Eine weitere Erklärung, vollkommen abseits der Presseberichte und furchtbar gescheiten soziologischen Arbeiten über die Biker-Szene drang ebenfalls an mein Ohr: „1 %? Das bedeutet doch, dass ein Prozent der Bevölkerung Motorrad fährt“, erklärte mir ein langjähriger Member eines der ältesten MCs Österreichs. Zuerst betrachtete ich diese banale Erklärung wenig, bis ich wenig später auf die Existenz der angeblich „ersten“ Einprozenter stieß. Es waren US-amerikanische „Biker“, die schon vor dem 2. Weltkrieg dieses Logo – wenn auch ohne Raute – auf ihren Jacken und Sweatern trugen, um zu zeigen, dass sie sich zum „Biken“ bekennen.

Was es heute bedeutet, ein „One Percenter“ zu sein, ist nicht allgemein gültig zu erklären, denn zu unterschiedlich sind die Auffassungen. In den USA, dem Ursprungsland des Symbols, findet man den Patch relativ selten. Hier zu Lande findet man ihn auf unzählige Kutten genäht, sei es als Bekenntnis zum Bikertum, zur Erinnerung an Hollister, als Aushängeschild des „Outlaws“, als Bezeugung der Zugehörigkeit zur Szene oder auch als „Nachahmungstäter“. Des rautenförmigen Patches würdig sind letztere angesichts der Geschichte des Symbols sicherlich nicht.

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