progressive Federn in die Vorderradgabel

Vorderradgabel ausbauen, aufarbeiten und neu instandsetzen, das heißt:

  • Tauchrohre lackieren oder polieren
  • Gabelholme kontrollieren
  • Simmerringe erneuern
  • Staubkappen neu
  • progressive Federn verbauen
  • Öl neu befüllen

Warum das ganze, inzwischen hat sich das Fahrverhalten geändert, hinten habe ich ja kürzere, härtere Hagonfedern verbaut und manchmal schlägt die Gabel vorne schon durch, also entweder zu wenig Luft, Öl nicht mehr in Ordnung, bzw. Gabelfedern verschlissen. Das mit den Federn trifft in fast 100% der Fälle zu, außerdem können dann gleich die Simmerringe ersetzt werden, denn es zeigte sich schon ein stärkerer Ölfilm auf den Holmen.

September 2014

Erst einmal die Gabel ausbauen (max. 15 Min Arbeit):

  • Achsmutter lösen (macht Sinn das vor dem Aufbocken zu machen)
  • Motorrad sicher aufbocken
  • Vorderradgabel sollte frei schweben
  • Bremssattel abbauen
  • Tachowelle unten am Tachoantrieb abschauben
  • Achsklemmschraube lösen
  • Achse rausziehen und Rad rausnehmen
  • Schutzblech abschrauben
  • Klemmschrauben an der unteren und oberen Gabelbrücke lösen
  • Gabelbeine nach unten rausziehen

So jetzt muß mal mit einem Gerücht im Internet und in verschiedenen Foren Schluß gemacht werden.

Ich habe wie andere LTD450 Biker neue progressive Federn von Wirth bestellt und zwar im Internet (sprich E-bay), ist ja so schön einfach. Die Lieferung kam auch prompt und die neuen progressiven Federn sind eben länger wie die Originalen (zum Vergleich intakte original Feder 442 mm und die neuen progressiven Federn 480 mm lang). Bei den originalen Federn sitzt oben noch eine Hülse von 250 mm Länge drauf und dazwischen, ganz wichtig, liegt ein Federauflagering (war bei mir auch nicht mehr drin). Für den Einbau heißt es dazu in verschiedenen Foren usw. – da jetzt die Gesamtlänge nicht passt, sollte man einfach die vorhandene Hülse kürzen – und hier liegt der Knackpunkt „Hülse nicht kürzen“. Zur Lieferung der progressiven Federn von Wirth, für eine LTD450, gehören auch entsprechend neue Hülsen, mit der Länge von 195 mm (Hülsen-Nr. 575 im Hause Wirth) dazu.

Habe mich längere Zeit mit einem Mitarbeiter der Firma Wirth (vielen Dank für die super Informationen) darüber unterhalten und er hat die richtigen Angaben dazu gemacht, nur leider fehlt diese wichtige Hülse bei vielen Anbietern im Internet, wie bei mir auch. In meinen Fall war es nur ein Anruf beim Lieferanten MVH  (vielen Dank für den super schnellen Nachsende-Service) und die Hülsen kamen sofort per Post hinterher.
Das Problem liegt daran das es zwei unterschiedliche Varianten von Federn für die EN450 und Z 450LTD gibt, was aber in den wenigsten Fällen von vornherein erkannt werden kann und bei den meisten Anbietern sowieso kein Unterschied bei einer Bestellung für die EN450 oder LTD450 gemacht wird.

Z 450LTD FedernHier übrigens die Unterlagen der Firma Wirth für progressive Federn der LTD450:
ABE der Firma Wirth für die progressiven Gabelfedern

Anleitung zum Austausch der Gabelfedern
 

Luftkammerhöhe

So heute kam das Päckchen von MVH mit den fehlenden Hülsen für die neuen progressiven Federn von Wirth, zu meiner großen Überraschung sind die aus Kunststoff (Strohhalm in dick, Grins). Grübel ist das wohl ok, also Griff zum Telefon und noch einmal die Anfrage bei Wirth direkt und siehe da ja ist richtig, die Ersatzhülsen in verkürzter Ausführung sind aus Kunststoff, sie sind grau – wie ein Abflussrohr – in der Ausführung HR 25 X 1,9 mm PN16 DIN 8061/62 134 2013.DSC03103Die Hülsen habe ich jetzt und somit kann der Zusammenbau losgehen. Da ich schon vorgearbeitet hatte, irgendwann letztes Jahr, kann ich auf 2 fertig lackierte, mit neuen Simmerringen und Staubkappen versehene Gabelbeine zurückgreifen. Also zuerst über das Autoventil (unter der Chromkappe, die ja schon vor dem Ausbau der Holme entfernt wurde) die Luft entweichen lassen, dann den oberen Ventilteller runterdrücken (ich helfe mir dabei mit meiner Werkbank, Federbeine drunter klemmen), so läßt sich der Federring problemlos entfernen und das Federbein kann langsam entspannt werden (Vorsicht, die Spannung reicht aus um einen schönen Flug durch die Werkstatt zu machen). Jetzt nach dem Öffnen des Holms, kommt für viele die Überraschung (Griff nach hinten, wo ist die Atemschutzmaske), es riecht nach tausenden eingeschlafenen Füßen, denn meist ist noch die erste Füllung Öl drin. Puh, erst einmal das Öl ablassen (ordnungsgemäßes entsorgen nicht vergessen, mein Edelstahlbecken dient nur zum abtropfen, Stopfen ist natürlich im Becken.

Nach entsprechend Abtopfen über 2 Tage, kann es mit den neuen Federn weitergehen, erst einmal die Federn rein, mit der progressiven Windung (enger) nach oben und Federteller (Unterlegscheibe) mit rein. Dann das Öl einfüllen, bei normalen Wechsel (ohne Trocknung von innen) gehören 300 ccm, bei trockenem Rohr 355 +/- 2,5 ccm rein, jetzt noch die neue Hülse rauf. Weiterer Schritt, wieder unter Zuhilfenahme meiner Werkbank, Ventilteller aufsetzen und reindrücken bzw. den Holm hochdrücken und schon geht ohne Probleme der Sicherungsring oben drauf, fertig.

So die neuen Federn sind drin und der Unterschied ist schon alleine beim Zusammendrücken der Gabelholme deutlich zu spüren, ebenso sieht man sehr schön den Ölfilm und -rand auf dem alten Holm, nach dem Eintauchen. Es war echt höchste Zeit mit dem Wechsel der Federn, ich bin gespannt auf die erste Runde und dem neuen Fahr- und Bremsgefühl, denn die Bremsscheibe samt Beläge kommt ja auch noch neu.

alter Holm links, rechts instandgesetzter Holm

alter Holm links, rechts instandgesetzter Holm

Links alter Holm mit  Ölfilm nach dem Eintauchen

Links alter Holm mit
Ölfilm nach dem Eintauchen

 

 

 

 

 

  

 

 

 

So jetzt können die Gabelholme wieder eingebaut werden, aber das ist meist kein Problem, die Holme entsprechend von unten wieder in die Gabelbrücke einschieben und beide Holme auf die richtige Höhe bringen (bei mir heißt das, oberer Rand muß mit der Gabelbrücke abschliessen, kann aber varieren) dann erst einmal nur leicht mit der oberen Schraube sichern.
Jetzt kann man auch noch gleich kontrollieren ob die Gabelbrücken korrekt gegeneinander ausgerichtet sind. Dazu hält man oben kurz unter der oberen Gabelbrücke einen Metall-anschlag (Lineal geht auch) und unten einen über den Tauchrohren ebenfalls quer zur Gabel, wenn man dann von oben schaut sollten die Anschläge (Lineale) parallel zueinanderliegen. Falls nicht, müssen die Gabelbrücken entsprechenden zueinander  verdreht werden, bis die Anschläge parallel, sprich absolut deckungsgleich, liegen. Danach werden erst die oberen Schrauben (20 Nm) an der Gabelbrücke fest gezogen und dann die unteren Schrauben (25 Nm), beide entsprechend dem Drehmoment.
                                                                                                                               

Hier dazu die entsprechenden Seiten aus dem Werkstatt-Handbuch der LTD450: